Der gebogene Sessel

Das wunderschöne am Werken mit Holz ist für mich immer wieder neue Arbeitstechniken und Methoden zu entdecken. Neben dem Beherrschen unterschiedlichster Holzverbindungstechniken fasziniert mich seit einiger Zeit das Biegen von Holz. Beides wollte ich in einem Projekt umsetzen. Mein Ziel war es, einen Sessel zu bauen und dabei beides miteinander zu verbinden. Beim stöbern im Internet bin ich auf eine Holzverbindungsmethode der Inuit gestoßen, welche mir bis dahin vollkommen unbekannt war. Dieses Urvolk benutzt seit vielen Jahrtausenden spezielle Knotentechniken, um die Bauteile ihrer Kanus miteinander zu verbinden. Nach einigen Versuchen mit unterschiedlichen Materialien stellte ich fest, dass diese Methode eine viel höhere Festigkeit erzielt, als z.B. Holzschraube. Ich lieb es, etwas Neues zu entdecken, mein Wissen zu erweitern und mich einer Herausforderung zu stellen. Beim Holz entschied ich mich für Nussbaum und Esche. Esche vor allem vor dem Hintergrund, dass es sich gut biegen lässt und eine hohe Zähigkeit aufweist, schließlich soll der Stuhl auch mich aushalten.

Am Anfang startete ich wie bei den meisten meiner Projekte. Das Holz musste aufgeschnitten und gehobelt werden. Seit einiger Zeit mache ich eine Vielzahl meiner Arbeiten in einer Mit-Mach-Werkstatt. Dort habe ich Maschinen, auf die ich sonst nicht zurückgreifen kann und an vielen Stellen werden meine Arbeitsprozesse erleichtert und das Endergebnis erhöht. Nach dem rechtwinkligen und auf Endmaß hobeln mussten die einzelnen Bauteile noch abgerundet werden. An einer Tischfräse mit Vorschubapparat stellte dies kein größeres Problem dar. Gerade vor dem Hintergrund der Sicherheit bin ich froh, wenn ich jemanden in der Werkstatt um Rat fragen kann.

Nach dem Fräsen mussten alle Bauteile für drei Tage in Wasser vollständig eingetaucht werden. Während ich sonst immer froh bin auf trockenes Holz zurückgreifen zu können, musste ich hier mal den umgekehrten Weg gehen. Nach einigen Versuchen habe ich gemerkt, dass trockenes Holz sich nicht wirklich gut biegen lässt. Immer wieder habe ich die Holzfeuchte nachgemessen und erst bei einem Wert von 30% waren zufriedenstellende Ergebnisse herausgekommen. Zudem ist es entscheidend, die richtigen Querschnitte herzustellen, sowie auf einen geraden, stehenden Maserungsverlauf zu achten. Dies ist nur ein kurzer Einblick in einen wie ich finde recht komplexen Prozess, welcher hier aber den Rahmen sprengen würde, diesen ausführlicher darzustellen. Nach den drei Tagen kamen die einzelnen Bauteile in ein Dampfrohr, welches ich mir dafür gebaut hatte. Bei ca. 95°C hab ich die Bauteile dann jeweils für eine halbe Stunde im Rohr gelassen. Beim nächsten Arbeitsschritt heißt es schnell zu arbeiten, bevor das Holz zu sehr auskühlt. Mit einem Biegeband, welches die Gefahr des Brechens verhindert, mussten die einzelnen Teile dann über Formen gebogen werden.  Auf diesen blieben sie dann 14 Tage, um auszutrocknen und die endgültige Form sicher zu halten.

Ich bin manchmal ein sehr ungeduldiger Mensch und es fiel mir echt schwer zu warten, bis ich endlich weitermachen konnte. Der nächste Schritt war es dann die Armlehne aus drei Bauteilen zu verleimen. Ich entschied mich dafür, Nussbaum und Esche zu kombinieren. An einem der Biegemodelle habe ich drei dieser Leisten miteinander verleimt. Da sich die einzelnen Schichten leicht untereinander verschoben hatten, musste ich diese dann noch mit dem Handhobeln weiter bearbeiten. Anschließend wurde noch eine Rundung mit der Oberfräse an die Armlehne gefräst. Ebenfalls das „Rückrad“ und der vordere Stützbogen der Sesselbeine, wurden mit vorgebogenen Esche-Stücken formverleimt.

Ein Werkzeug, dass ich sehr zu schätzen gelernt habe, ist die Dominofräse von Festool. Mit ihr habe ich die Aufnahmen für die rund gebogenen Bauteile in ein Stück Nussbaum gefräst. Ziel war es, eine Viertelschalenform zu erhalten, welche ein wesentliches Bauteil des Sessels bilden sollte. Nachdem alle zu verleimenden Teile miteinander verbunden waren, kam ich an den spannenden Moment des Knotens. Rückrad, vorgebogene Halbrunden und die Sesselbeine wurden nur mit Knoten verbunden. An wenigen Stellen setzte ich Leim und Dominodübel ein. Vielleicht hätte man sich mit etwas überlegen auch diese sparen können. Ich war überrascht, wie stabil die einzelnen Knotenverbindungen wurden. Anders als Schrauben, welche eine gewisse Sprengwirkung haben, wird beim Knoten die Holzfaser umschlossen und zusätzlich stabilisiert. Die Knoten vereinten hohe Stabilität bei gleichzeitiger Flexibilität. Nur so konnte ich eine sehr leichte und belastbare Konstruktion erreichen.

Zum Schluss wurden von mir an der einen oder anderen Stelle noch ein paar zusätzliche Verstrebungen aus Nussbaum eingeknotet und das ganze wurde geölt. Leider kann ich nicht nähen, zumindest noch nicht, so dass im Moment große Kissen den Sessel bequem machen.

Material:

Esche

Nussbaum

Schnur

Leim

 

Werkzeuge:

Japansäge

Schraubzwingen

Hobel

Schleifpapier

Domino Dübelfräse Festool 

DEIN Traum aus Holz